Das Wort ‚Angst‘ gehört sicher nicht zu den beliebtesten der deutschen Sprache. Sie ist ein Stiefkind und doch oder vielleicht gerade deshalb sind so viele von ihr betroffen. Wir mögen sie nicht und schieben sie allzu gern von uns. In bestimmten Gefahrensituationen mag sie ja noch geduldet sein, aber im Alltag, vielleicht gerade, wenn alles mal entspannt oder schön ist?

Sie ist kein gern gesehener Gast und doch hat sie uns etwas zu sagen, denn allzu oft macht sie uns aufmerksam auf Bereiche in unserem Leben, die aus dem Augenmerk gefallen sind oder verweist uns darauf, dass wir vielleicht noch nicht das richtige ‚Werkzeug‘ haben, um einer Situation zu begegnen. Doch steckt in ihr immer auch die Kraft, uns über diese Schwelle in ein neues Land zu tragen, wenn wir denn nicht vor der Angst vor der Angst davonlaufen.

Vielleicht klingt das neu oder nach böhmischen Dörfern für Sie. Vielleicht haben Sie so noch nie über dieses Thema nachgedacht. Und genau das verstehe ich unter ‚systemisch‘: Indem ich das ‚Problem‘ einmal von mehreren Seiten betrachte, kann es scheinen, dass das Verhalten (Angst), das ich gerade zeige, momentan die bestmögliche Lösung für das Problem ist, die mir derzeit zur Verfügung steht. Vielleicht ist es sogar von Vorteil, eben gerade noch nichts zu tun, sondern zu warten, denn Angst hält im Zustand, sogar in Beziehung. Dabei geht es nicht um Schönmacherei oder Augenwischerei, sondern um eine Lösungsorientierung, eine tiefgründige und allseitige Suche nach Stärken und Kräften, die Ihnen helfen können auf Ihrem Weg. Nicht selten verbergen sich hinter der Angst andere, ‚fachfremde‘ Themen, die schon lange darauf harren, betrachtet zu werden. Oft ist Angst eine einmalige Chance, wenn wir ihr denn eine Chance geben.

In den vergangenen drei Jahren habe ich mehrere Klienten begleitet, die unter einer Angstsymptomatik litten und habe auch eine Arbeit dazu verfasst. Juliane Amélie Schneider. Keine Angst vor der Angst.

Gute Erfahrungen sammelte ich dabei mit Stabilisierung, hypnosystemischem Arbeiten sowie mit der Konfrontation mit der Angst.

Dazu ein kleines Beispiel: Es geht dabei nicht wie im verhaltenstherapeutischen Kontext um die Konfrontation mit den angstauslösenden Faktoren, sondern vielmehr um eine Begegnung mit ‚meiner‘ Angst. Überraschenderweise ist die Angst oft kein übergroßes Monster, das mich besinnungslos schlägt, sondern einmal ähnelt es der Form eines ‚Zuckerhutes‘, mal einer kleinen Comicfigur, die liebevoll ihre Ärmchen um mich legt und mir zuflüstert: ‚Ich bin deine Vorsicht, ich passe auf dich auf’.

Unsere größten Ängste sind die Drachen, die unsere tiefsten Schätze bewahren. 

Rainer Maria Rilke